Veranstaltung: The Oh!chestra

The Oh!chestra
Classic meets Jazz - Ein kammermusikalisches Ensemble, das klassischer Musik auf analogen Instrumenten über den Umweg elektronischer Reorganisation zurück in die Zukunft verhilft.
Sehr, sehr viel ist manchmal noch immer nicht ganz genug. Elf Jahre lang hatte das Duo „The OhOhOhs“ mit seinem eklektischen Mix aus E-Piano, Sampling, Drums, Percussion schon den Underground ihrer Heimatstadt Frankfurt am Main gehörig aufgemischt und dank spektakulärer Live-Auftritte auch weit über die regionale Elektroszene hinaus für Furore gesorgt. Dann aber beschlossen der examinierte Pianist Florian Wäldele und sein autodidaktischer Namensvetter Florian Dreßler am Schlagwerk, ihre Strahlkraft abermals zu vergrößern. Und zwar buchstäblich. „Unsere Studioproduktionen und Kompositionen sind oft wesentlich umfangreicher instrumentiert als vier Hände und Füße in der Lage sind“, schildern die beiden Enddreißiger den Wunsch zur Ausdehnung ihrer Möglichkeiten und gingen dafür im Herbst 2014 zwar keinen radikal anderen, aber radikal breiteren Weg. Er nennt sich Oh!chestra und erschafft etwas Außergewöhnliches, wenn nicht gar Epochales: Ein kammermusikalisches Ensemble, das klassischer Musik auf analogen Instrumenten über den Umweg elektronischer Reorganisation zurück in die Zukunft verhilft. Zu kompliziert? Bei der Konzeption des Debütalbums mit dem leicht irritierenden Titel „Vierhändig“ schon. Beim Hörgenuss keineswegs. Schon das Auftaktstück „Scales And Rivers“ mag ja beginnen wie ein virtuoses Meisterwerk der modernen Klassik, als säße der amerikanische Weltstar Keith Jarrett am Klavier, nicht der hessische Musikpädagoge Wäldele. Fröhlich fließen die Harmonien da vom anderen Flo zunächst minimalistisch untermalt wie Smetanas Moldau mit einer Prise Debussy aus den Boxen. Dann aber wuchtet das Schlagzeug seinen analog treibenden Beat unters Klavier, das die Klangfarbe zeitgleich auf Bass färbt und aus der melodischen Klassik somit macht, was die „OhOhOhs“ seit 2005 kennzeichnet: Ausgelassenen Analog-Techno – nur eben noch opulenter, noch filigraner, noch hinreißender. Und so geht es die meisten der zwölf Stücke weiter. Im anschließenden „Cha Cha“ etwa legen die Gastmusiker Juan Bauste Granda, Philipp Wildenhues und Salar Baygan afrocubanische Rhythmen aus nigerianischen Batá-Trommeln oder brasilianischen Caxixi-Rasseln über Florian Wäldeles hitzigen Flügel und machen daraus eine Art tribalistisch angehauchten Clubsound. Das gehobene Feuilleton dürfte ihm ebenso etwas abgewinnen wie die Tanzflächen elektronischer Festivals im Grünen. Schließlich stehen Wäldeles Eigenkompositionen überwiegend im Geiste großer Meister. Reminiszenzen und Respekt treffen dabei allerdings so hingebungsvoll verspielt auf Interpretation und Eigensinn, dass es vom Gehirn übers Herz direkt in die Beine geht. „Floating Schubert“ zum Beispiel variiert die frühromantische Harmonie des Großkomponisten mit Cajon, Bongos und Becken zu einer polyphonen Rhythmik, in der die Broken Beats & Drums zu sprechen scheinen. Beethovens „Mondscheinsonate“ ist zwar wieder auf Klavier und Schlagzeug der zwei Flos reduziert, wird per Sampling-Pad aber klanglich so multipliziert, als wäre ein elektronisches Orchester am Werk. Und wenn im einzigen rein digital produzierten „Partita Tech“ zum Ende hin ein artifizieller House-Teppich unters live eingespielte, teils fast barocke Piano gewoben wird, verschwimmt die Grenze von E und U, alt und neu fast gänzlich. Dabei ist es vor allem Florian Dreßler, der Florian Wäldeles Tasten aus dem musikalischen Brauchtum in düsteren Moll-Tönen herausholt und für jüngere Generationen anschlussfähig macht. Wann immer das Klavier zu sehr ins gesittete Ambiente für ältere Menschen in Abendgarderobe abzugleiten scheint, holen Percussion und Effektgeräte gewissermaßen den Kapuzenpulli raus und machen aus dem altbewährten Ansatz nicht grad Pop, aber doch popaffines Klangtheater für musikalische Ästheten mit Partybedürfnis. Live verabreicht ist das bereits ein Erlebnis, dem man keine bestuhlten Säle wünscht; dass es auch als Konserve – aufgenommen im jazzerfahrenen Frankfurter „Art Of June Studio“ funktioniert, belegt das Debütalbum des vielleicht kleinsten Orchesters der Welt mit derart großem Klangvolumen.
Veranstaltungsdetails

Datum: Fr. 20.10.2017
Uhrzeit: 21:00 Uhr - Ende offen
Rubrik: Konzerte Jazz
Ort: Münster
Location:
Hot Jazz Club
Hafenweg  26b
48143 Münster

Telefon: 0251/68667908
Fax: 0251/68668432

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